Boris' bessere Hälfte

Während Boris Johnson die britische Politik ins Chaos stürzt, hat seine Freundin Carrie Symonds eine klare Strategie – zumindest was ihre Kleiderwahl betrifft.

Carrie Symonds im August bei der »British Birdwatching Fair«, einem Treffen von Vogelfreunden.

Foto: Reuters

Brauchen Tiere nicht auch ein stabiles Zuhause? Vor allem solche, die sowieso schon eine Menge mitgemacht haben? Mussten Boris Johnson und seine Lebensgefährtin Carrie Symonds einen Jack-Russell-Welpen, der mit schiefem Kiefer geboren worden war, also genau jetzt adoptieren und am Montag nach Downing Street Number 10 bringen lassen – wo spätestens seit der Parlamentssitzung Dienstagabend gar nicht klar ist, ob sie dort nicht schon bald wieder ausziehen müssen?

Treibende Kraft beim Familienzuwachs dürfte jedenfalls Symonds gewesen sein. Sie ist nicht nur »First Girlfriend«, sondern auch im Hauptberuf PR-Beraterin der Umwelt-Organisation Oceana. Während  ihr Lebensgefährte mit seinem No-Deal-Brexit also eher die Apokalypse fördert, engagiert sich die 31-Jährige gegen Walfang und Meeresplastik. Wahrscheinlich war der Ausdruck »bessere Hälfte« nie treffender als beim aktuellen Downing-Street-Paar: Symonds scheint eigentlich viel zu gut für ihren fast 25 Jahre älteren Partner.

Auch modisch kommt sie bislang deutlich besser an als Johnson. Bei seiner ersten Rede nach dem Amtsantritt Ende Juli trug sie ein langes, rotes Kleid mit pinkfarbenem Blumenmuster. Selbst eher links zu verortende Wählerinnen ertappten sich daraufhin bei der Frage: »Ähm, von welcher Marke ist Carries Kleid...?« Der Telegraph schaffte bald Abhilfe: Es stammte vom britischen Highstreet-Label Ghost. Überflüssig zu erwähnen, dass das Modell schneller ausverkauft war, als Boris Johnson »Backstop« sagen kann.

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Regenschirm, Gummistiefel und ein Kleid einer jungen britischen Designerin – beim Vogelbeobachter-Treffen zeigte sich Carrie Symonds für den Ausflug in die Natur gut gerüstet.

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Beim First-Girlfriend-Knuddeln mit dem Welpen trug Symonds nun wieder ein geblümtes Kleid, diesmal in Grün, wie sie überhaupt eine Vorliebe für »lang mit Blumen« zu haben scheint. Ihr bislang denkwürdigster Auftritt: Bei der »British Birdwatching Fair« wählte sie ein Kleid mit typisch englischem Liberty-Print und trug dazu Wellington-Gummistiefel, was ein bisschen nach »auf den Schlammspuren von Kate Moss« aussah, während der etwas derangierte Schirm eine wahrscheinlich eher unfreiwillige Parallele zur Haarpracht ihres Lebensgefährten lieferte. Auch dieses Kleid der jungen britischen Designerin Justine Tabak sorgte sofort für aufgeregte Google-Suchen.

Mal davon abgesehen, dass der Stil ziemlich gediegen für eine 31-Jährige daherkommt – Cherie Blair kleidete sich dagegen beinahe sexy –, ist es umso bemerkenswerter, dass die Sachen trotzdem so einschlagen. Immerhin verfolgt Carrie Symonds mit ihren Kleidern offensichtlich eine klare Agenda: Beinahe alle ihre Kleider sind bislang »eco conscious«, das von Ghost wurde aus recycelter, abbaubarer Zellulose gefertigt, die Designerin Justine Tabak steht für »slow fashion« und lässt ausschließlich in London und nur in kleinen Mengen mit möglichst geringer Abfallproduktion fertigen. Mal gucken, ob Symonds genug Zeit in Downing Street hat, um nachhaltige Mode in Großbritannien weiter zu promoten.

Der Hund jedenfalls wird nicht, wie sein Mitbewohner »Larry the Cat«, dauerhaft im Regierungssitz bleiben, sondern im Falle der Fälle mit seinen neuen Adoptiveltern in ein neues Zuhause ziehen, was vielleicht sogar das alte ist: Symonds' Wohnung, die es zu einiger Berühmtheit gebracht hat, weil die Nachbarn im Juni nach einer lautstarken Auseinandersetzung die Polizei gerufen hatten. Der Streitpunkt: Johnson habe, so hörte man, das Sofa mit einem Glas Rotwein ruiniert. Der Hund sollte also gewarnt sein.

Getauft haben ihn seine neuen Besitzer übrigens Dilyn, was auf Walisisch so viel wie »succeed« heißt, also Erfolg haben, es schaffen. Klingt derzeit wie ein frommer Wunsch.

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