Wie unterstütze ich beim Einkaufen heimische Landwirte am besten?

Ein Fachmann erklärt, wann Landwirte am meisten verdienen und warum sich Verbraucher nicht auf Regionalsiegel verlassen sollten.

Illustration: Ryan Gillet

Alexander Schulz ist Redakteur des Verbraucherportals landwirtschaft.de des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL):

»Wer heimische Landwirtinnen und Landwirte fördern will, kann direkt beim Erzeuger einzukaufen, also in Hofläden, auf den Wochenmärkten, oder über das Prinzip der Abokisten mit Obst und Gemüse regionaler Bauern und Bäuerinnen. Vor allem in Großstädten gibt es zudem immer mehr sogenannten Marktschwärmereien, ein Konzept, das es der Kundschaft ermöglicht, bei verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region Produkte online zu bestellen und später in ihrer »Schwärmerei«, einer Art Markt zur Übergabe der bestellten Produkte, abzuholen.

Der Vorteil dieser Varianten ist, dass das Geld direkt bei den Bauern und Bäuerinnen landet – und aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher, dass sie den direkten Kontakt zum Erzeuger haben. Wenn sie wissen wollen, wie das Tier gehalten oder das Gemüse angebaut wurde, können sie direkt nachfragen.

Wer im Supermarkt einkauft, muss sich die Frage stellen, wer am einzelnen Produkt noch mitverdient. Je weniger das Produkt weiterverarbeitet ist, desto mehr kommt beim erzeugenden Landwirt an. Wenn ich Eier oder Kartoffeln kaufe, ist auch im Supermarkt der Anteil, den die Landwirte und Landwirtinnen bekommen höher, als wenn ich Kartoffelchips kaufe oder Fertiggerichte. Aber der Handel verdient natürlich immer mit. Und wenn Preise ausgehandelt werden, ist die Marktmacht des Handels deutlich größer als die des kleinen Erzeugers.

Als Kunde oder Kundin kann ich heimische Landwirte trotzdem auch im Supermarkt unterstützten, wenn ich saisonal und regional einkaufe. Bei vielen Produkten, wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Honig oder Eiern muss das Herkunftsland angegeben werden.

Es gibt auch zahlreiche Regionalmarken von Einzelhändlern und Regionalsiegel. Die erleichtern zumindest die Orientierung. Allerdings sind Begriffe wie »Region« oder »regional« nicht definiert, da muss man als Verbraucher schon genauer hinsehen, welche Kriterien das jeweilige Siegel zugrunde legt, um eingrenzen zu können, wo ein Produkt herkommt. »Region« kann weitaus größer gefasst sein, als man selbst das erwartet. Wenn ich in Kiel wohne und was aus der Region kaufe – erwarte ich dann, dass die Region Norddeutschland ist oder direkt das Kieler Umland? Das muss jeder Verbraucher und jede Verbraucherin für sich entscheiden.«