Soll man weniger gut betuchten Freunden den Urlaub bezahlen?

Eine Leserin fragt sich, ob und wie eine Gruppe von Frauen einer langjährigen Freundin den gemeinsamen Urlaub finanzieren soll. Die Sorge: Einige der Gruppenmitglieder könnten sich ungerecht behandelt fühlen. 

Illustration: Serge Bloch

»Wir sind eine eingeschworene Gruppe von elf Frauen, die sich seit vierzig Jahren kennt. Wir hatten einen gemein­samen Urlaub geplant, den wir nun aufschieben, das Problem bleibt allerdings bestehen: Eine Freundin zieht sich raus. Geldmangel. Traurig. Die finanzielle Lage der anderen reicht von unglaublich gut über gut bis befriedigend. Sollen wir ihr den Urlaub bezahlen? Wer soll bezahlen? Alle? Oder nur die, die das meiste Geld hat? Die Frauen mit befriedigendem Einkommen fänden es vielleicht ungerecht. Vielleicht würde sogar ein Ungleichgewicht in der Gruppe entstehen. Wir sind ratlos.« Barbara K., Hattingen

Erst mal: Unbedingt bezahlen Sie Ihrer Freundin den Urlaub, den Sie hoffentlich bald nachholen können! Dafür ist man doch befreundet, zumal als Gruppe, dass man niemanden rausfallen lässt aus einer finanziellen Not oder einem Engpass heraus. Zu zehnt lassen sich diese Kosten bestimmt schultern.

Und jetzt sind Sie bei mir leider an der absolut falschen Stelle gelandet, Ihnen rechnerisch Möglichkeiten vorzuschlagen, wie Sie am besten ermitteln könnten, wer wie viel zahlt. Ließe sich denn das nicht in einem Gespräch feststellen? Entweder in Einzelgesprächen, also wie viel jeder beizusteuern bereit wäre. Ohne Abgleich: Jeder nennt eine Summe, die sich richtig anfühlt. Man könnte eine Person fest­legen, die federführend die Verhandlungen übernimmt und sich zu Diskretion verpflichtet, den anderen also nicht offenlegen wird, wer wie viel zahlt, falls da ansonsten wirklich Streitigkeiten drohen. Es klingt leider danach. Sonst würden Sie ja auch nicht fragen. Offenbar gibt es in der Gruppe also Frauen, die es nur fair fänden, wenn die Reichste, sollte sie der einen komplett den Urlaub zahlen, ihnen dann auch was dazuzahlt.

Stellen wir uns mal kurz vor, dass die sich durchsetzen. Da möchte man ja nicht mitfahren in diesen Urlaub zu zehnt, in den die eine leider nicht mitfahren konnte, weil Neid dies verhinderte, und in dem vermutlich bei jedem Essen darauf geschielt wird, ob die Reichste aber auch bitte schön den Löwenanteil zahlt. Also, besonders »eingeschworen« klingt das nicht.

Am gerechtesten wäre vermutlich, man würde prozentual je nach Einkommen etwas geben. Wenn nicht jede ihr Einkommen offenlegen möchte, wird sich eine annähernd gerechte Lösung finden lassen. Das wäre doch sonst wirklich gelacht. Vor vierzig Jahren war 1980. Sie haben als Gruppe Aerobic überlebt, Tschernobyl und die DDR. Sie kriegen das hin.