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Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse im Interview ohne Worte über Erich Honecker, das Jubiläum der Wiedervereinigung, Schwaben in Prenzlauer Berg und Fehler im Umgang mit den Ossis.

Geboren: 22. Oktober 1943 in Breslau
Beruf: Politiker 
Ausbildung: Ausbildung zum Schriftsetzer, Studium der Germanistik und ­Kulturwissenschaft 
Status: Grenzgänger

Wenn sich Wolfgang Thierse an die Wiedervereinigung vor 30 Jahren erinnert, zieht dabei vor seinem Geiste womöglich sein ganzes Leben vorüber. Thierse, der als Junge mit seiner ­Familie aus Breslau vertrieben wurde, in der DDR aufwuchs, dort studierte, arbeitete – und Mitte der Sieb-zigerjahre vom Ministerium für Kultur entlassen wurde, nachdem er sich geweigert hatte, der Ausbürgerung von Wolf Biermann zuzustimmen. Als am 3. Oktober 1990 dann 144 Abgeordnete der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR Mitglieder des Deutschen Bundestages wurden, war Wolfgang Thierse einer von ihnen. Mit 46 Jahren war Thierse endlich in der Demokratie angekommen, jetzt konnte er auch Karriere machen: 1998 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Das ist auch der Grund, warum ihm heute noch ein ziemlich schickes Büro in Berlin-Mitte zur Verfügung steht. Thierse ist kein Berufspolitiker, er ist ein Homo Politicus, wortgewandt und kämpferisch, der sich seit Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus und für eine liberalere katholische Kirche engagiert. Und obwohl oder gerade weil er mit seiner Haltung immer wieder auch angeeckt ist, fehlt er in der deutschen Politik – und der SPD sowieso.