»Ich möchte Vielfalt abbilden«

Schwarze Menschen werden noch immer wegen ihrer Haare rassistisch diskriminiert. Mit ihrem Projekt »Hair Stories« hinterfragt die Fotografin Sol Bela Mele weit verbreitete Schönheitsideale.

Name: Sol Bela Mele
Geboren: 1996 in Bioko, Äquatorialguinea
Wohnort: Barcelona, Spanien
Website: solbelamele.com

SZ-Magazin: Früher hatten Sie einen Modeblog, heute sind Sie Fotografin. Was hat Sie dazu bewogen, sich auf die Fotografie zu konzentrieren?
Sol Bela Mele: Als ich im Jahr 2012 mit dem Bloggen begann, machte mir die Arbeit zunächst großen Spaß. Schon damals konnte ich im Rahmen des Blogs erste Erfahrungen mit dem Fotografieren sammeln. Im Laufe der Zeit staute sich in mir aber ein Gefühl der Frustration an, da in den Medien, mit denen ich durch das Bloggen in Kontakt kam, kaum schwarze Menschen wie ich repräsentiert waren. Es fühlte sich falsch an, als schwarze Frau zum Erhalt eines Systems beizutragen, in dem schwarze Menschen keine Rolle spielten. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass der einzige Weg, um etwas zu verändern, ist, selbst Fotos zu machen. Ich widmete mich also der Fotografie, um mit den herkömmlichen Darstellungen schwarzer Menschen zu brechen.

Was meinen Sie mit »herkömmlichen Darstellungen«?
Gängige Bilder schwarzer Menschen sind oftmals vorurteilsbehaftet und von rassistischen Strukturen geprägt, die bereits während des Kolonialismus entstanden. Das ist zum Beispiel auch bei den Haaren der Fall, die in meinem Projekt im Mittelpunkt stehen. Schwarze Frauen wurden während der Kolonialzeit etwa gezwungen, beim Arbeiten ihre Haare zu verdecken. Noch heute kommen sie und ihr Haar kaum in westlichen Vorstellungen von Schönheit vor. Manche schwarze Menschen gehen sogar so weit, ihre Haare zu bleichen, zu glätten oder abzurasieren, um westlichen Schönheitsidealen zu genügen oder wenigstens nicht wegen ihres Aussehens stigmatisiert zu werden. Diese Stigmatisierung äußert sich auch im Alltag, etwa wenn Fremde im öffentlichen Raum ungefragt in das Haar schwarzer Menschen hineinlangen. Das ist eine Erfahrung, die ich ständig mache, wenn ich meine Haare offen trage.

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Die Frauen auf Ihren Bildern tragen Kinderfrisuren. Weshalb?
Ausschlaggebend für die Umsetzung des Projekts war ein Gespräch mit meiner Mutter, bei dem wir uns an die verschiedenen Frisuren erinnerten, die sie mir als Kind machte. Diese Frisuren eignen sich gut, um weit verbreitete Vorstellungen von schwarzen Menschen zu hinterfragen.

Inwiefern?
Mit den kindlichen Frisuren in meinen Fotografien zeige ich eine lustige, süße Seite schwarzer Frauen auf, die in der Öffentlichkeit meist fehlt. Ich kreiere ein Gegenbild zu den weit verbreiteten voruteilsbehafteten medialen Darstellungen von schwarzen Frauen.

Sie sind viel in sozialen Netzwerken aktiv. Spielt das für Ihre Arbeit eine Rolle?
Ja. Ich kam zum Beispiel mit den Frauen, die ich fotografiert habe, über Instagram in Kontakt. Sie sind allesamt keine professionellen Models. Das war mir wichtig, denn mit diesem Projekt möchte ich Vielfalt abbilden. Dazu gehört selbstverständlich auch, unterschiedliche Körper zu zeigen. Dieser Prozess verdeutlicht, welche Rolle soziale Netzwerke für gesellschaftliche Minderheiten haben. Viele schwarze Menschen und People of Colour können sich durch soziale Netzwerke wie Instagram vernetzen und lernen durch diesen Austausch, ihre Körper oder ihr Haar wertzuschätzen.

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