Was macht die Faszination von Food-ASMR-Videos aus?

ASM-was? Schmatzvideos stehen in den sozialen Medien hoch im Kurs. Ein Influencer erklärt das Phänomen und wie er damit Geld macht.

Illustration: Ryan Gillet

Dennis Hodel ist seit fünf Jahren als »German Freak ASMR« auf YouTube unterwegs, wo er Food-ASMR-Videos hochlädt. Der Influencer hat in den sozialen Medien insgesamt 80.000 Abonnenten, davon 53.000 auf YouTube. Hauptberuflich arbeitet er im Bereich Marketing und Kommunikation:

»ASMR-Videos sind ein Trend, der wahrscheinlich aus Korea stammt. Dabei geht es eigentlich mehr um das Audio, als um das Video: Sehr sensitiv eingestellte Mikrofone fangen den Sound von gewissen Tätigkeiten ein. Bei mir ist es das Essen. Es gibt aber auch Creator, die Geräusche mit ihren Fingernägeln machen und dazu flüstern. Viele User finden das entspannend. Die Abkürzung »ASMR« steht für »Autonomous Sensory Meridian Response«. Der Begriff beschreibt ein inneres, tiefes, wohliges und kribbelndes Gefühl, das durch den Körper fährt. Dieses Gefühl verspüren die Fans beim Anschauen von ASMR-Videos. Meine Videos sind so aufgebaut, dass ich oft schon das Kochen aufnehme. Die Speisen richte ich schön an und esse sie anschließend, dazu flüstere ich beruhigende Worte. 

Viele Menschen mögen diese ruhige Atmosphäre zum Entspannen. Man schaut sich Food-ASMR-Videos in der Regel alleine zu Hause an, konzentriert sich voll auf die Geräusche und blendet alles andere aus. Diese Art von Achtsamkeitsübung finden viele gut. Andere schauen sich meine Videos vermutlich auch aus Sehnsucht an – ich esse sehr kalorienreiche Sachen – und viele können das nicht essen, weil sie vielleicht gerade eine Diät machen oder eine Krankheit haben, bei der sie sehr auf die Ernährung achten müssen. Es gibt auch Menschen, die sich einsam fühlen und sich so ein Video anmachen, um selbst beim Essen Gesellschaft zu haben. Wieder andere finden die Gerichte, die ich esse, interessant. Das trifft oft auf User aus dem Ausland zu.

Damit verdiene ich neben meinem festen Job Geld. Das funktioniert so: Influencer können YouTube-Partner werden. Bei dem Werbeprogramm erhalten sie Geld auf die Werbung, die YouTube bei ihren Videos ausspielt. Ganz grob gesagt ist die Höhe der Einnahmen davon abhängig, wie viele Menschen ich mit meinen Inhalten erreiche. Es ist außerdem möglich, ein Abo in seinen Kanal zu integrieren, für das User monatlich Geld bezahlen, um die Inhalte zu sehen. Spenden, Produktplatzierungen, Sponsorings und Merchandise können weitere Einnahmequellen für Influencer sein.«