Das Wunder vom Bagni Vittoria

Inmitten einer felsigen Steinküste der Abruzzen eine grüne Oase schaffen? Klappt nie, dachte unser Autor. Bis Luigi Giuliani ihm das Gegenteil bewies.

Vom »Bagni Vittoria« aus überblickt man die Küste der Trabocchi – so heißen zum Fischfang errichtete Pfahlbauten, die man in den Abruzzen besichtigen kann. Auf Deutsch nennt man sie Fischergalgen.

Als ich Luigi Giuliani vor Jahren zum ersten Mal traf, schilderte er mir mit ausladenden Gesten seine Pläne für die damals doch recht einfachen Gebäude an der Küste der Adria. Ich stand kopfschüttelnd neben ihm. Der ist verrückt, dachte ich. Das funktioniert nie. Er wollte sie ökologisch korrekt umbauen, sprach von Bungalows, die von Blumen und Kräutern umwachsen sein würden. Umbau? Hier? Im bürokratischen Italien? In den Abruzzen und damit ziemlich ab vom Schuss?

Doch als ich in diesem Jahr das Eingangstor durchquerte, sah ich mich gezwungen, erneut den Kopf zu schütteln – staunend. Denn Luigi hat nicht nur erreicht, wovon er damals ge­sprochen hatte, sondern viel mehr als das. Er und seine Partnerin Elisabetta Zaccaria haben aus einer felsigen Steinküste mit ein paar alten Häuschen eine grüne – ich kann es nicht anders beschreiben – Oase gemacht. Und das in einem weniger bekannten Teil von Italien, wo tatsächlich das Preis-Leistungs-Verhältnis noch stimmt.

In seinem »Bagni Vittoria« sieht man nun vom Bett aus die Sonne über dem glitzernden Meer aufgehen. Zum Frühstück gibt es frischen Kuchen von Elisabetta. Die Getränke werden abends aus einem aufgeschnittenen Wohnwagen gereicht, der zur Bar umgebaut wurde.

Am Ende meines Urlaubs stehe ich wieder mal kopfschüttelnd neben Luigi. Die Region Abruzzen will die Bahn­trasse hinter dem Grundstück in einen Küstenradweg umbauen. Den nächsten Urlaub werde ich wohl auf dem Fahrrad verbringen.

Bagni Vittoria B&B
Scogliera Casarsa
Strada Statale 16 Nord Nr. 30
66054 Vasto Marina, Italien
Tel. 0039/0347/543 20 02
DZ inkl. Frühstück ab 80 Euro