Warum bei den Stars gerade die Korken knallen

Von Kendall Jenner über Kylie Minogue bis zu Sophia Thomalla: Jede Prominente, die etwas auf sich hält, bringt jetzt einen eigenen Alkohol auf den Markt. Zeit für eine prickelnde Stilkritik.

Kendall Jenner, Kylie Minogue und Sophia Thomalla (von links).

Fotos: Instagram; Illustration: Lea Sophie Fetköter

Rosé Prosecco von Kylie Minogue

»Mein Haus, mein Auto, meine Flaschen« – so ungefähr lautet der moderne Dreiklang des Prominenten-Daseins. Damit sind nicht mehr (nur) die selbst geleerten gemeint. Statt persönlichem Exzess soll Saufen in Verbindung mit Stars nun für hochprozentiges Geschäftemachen stehen, schließlich lässt sich mit Alkohol hervorragend Geld verdienen. Besonders erfolgreich derzeit: Kylie Minogue. Die australische Sängerin startete die nach ihr benannte Weinmarke 2020, als bekanntlich alle im Lockdown saßen und die Altglascontainer überliefen. Perfektes Timing, innerhalb kürzester Zeit knackte die 53-Jährige die Eine-Million-Flaschen-Grenze. Ihr Rosé Prosecco gilt mittlerweile sogar als meistverkaufter in ganz Großbritannien, was nicht nur am mit Herzchen überzogenen Glas liegen dürfte. Weinblogs loben ihn für seine leichte Spritzigkeit und vergleichen ihn mit der Musik der Australierin – schön süffig für den Massengeschmack. Passendes Lied für alle Fans, die am Abend zuvor zwei Fläschchen Kylie Vinogue hatten: »Can’t get you out of my head.«

Tequila von Rita Ora

Warum fällt einem von dieser Sängerin spontan kein einziger Hit ein, aber jede Menge Werbemotive? Thomas Sabo, Escada, Superga, angeblich wird die Britin demnächst sogar das Gesicht von Prada. Sagen wir also: Diese Frau ist geschäftstüchtig. Kein Wunder, dass die Tequila-Marke, an der sie beteiligt ist, »Próspero« heißt, prosperierend. Damit landet die 31-Jährige beim Magazin Esquire in der Liste der »63 besten Promi-Spirits« als bestplatzierte Frau auf Rang 24; hinter Matthew McConaugheys Bourbon und Jay-Zs Cognac, aber deutlich vor David Beckhams Scotch. Ihr Tequila sei zwar absolut »durchschnittlich und charakterlos« heißt es dort, dafür sei sie eine der wenigen Frauen im Geschäftsfeld, bahnbrechend – und laut Esquire »schamlos genug«, um bei diesem hochprozentig bescheuerten Trend mitzumachen.

Wieder Tequila, diesmal von Kendall Jenner

Tequila scheint so etwas wie der Go-to-Schnaps für Promi-Frauen zu sein: vegan, glutenfrei, beim Brennen wird kein Zucker untergemischt und pro 100 ml hat er nur 191 Kalorien, während Gin auf etwa 263 Kalorien kommt. Kein Wunder also, dass Topmodel Kendall Jenner lieber Tequila macht als Sahnelikör. Ihre Marke »818« kündigte sie in einem Instagram-Post im Februar 2021 an. Vier Jahre habe sie Destillerien besucht, sich durchgetestet, schließlich ihr eigenes Getränk entwickelt und dieses – anonym versteht sich – bei Wettbewerben eingereicht. Ein paar Preise hat der Tequila tatsächlich gewonnen. Sicher waren die Flaschen kurz nach Verkaufsstart nur deshalb restlos ausverkauft.

Wein von Cara, Chloe und Poppy Delevingne

Auf jeden Topf passt ein Deckel und auf jeden Promi ein Korken. Da Frauen statistisch nun mal gern Blubberkram trinken, setzen das Model Cara Delevingne und ihre Schwestern Poppy und Chloe mit ihrer Marke Della Vite ausschließlich auf Prosecco. Leider erinnern die komplett schwarzen Flaschen an gewöhnlichen Supermarkt-Freixenet und die Schwestern tragen auf Instagram-Posts bisweilen Slogan-T-Shirts mit »Try it, you’ll love it«, was in Sachen Originalität ungefähr auf der Höhe einer Supermarkt-Verkostung für Hüttenkäse aus den Achtzigern liegt. Aber klar, in vino veritas, probieren geht über Etiketten studieren. Cheers!

Wein von Cameron Diaz

Was macht eigentlich... Cameron Diaz??? Die Schauspielerin aus »Verrückt nach Mary« war ein klassischer Fall für die legendäre Stern-Rubrik, mittlerweile weiß man aber, was die 49-Jährige so treibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der Unternehmerin Katherine Power, gründete sie vor zwei Jahren Avaline, und natürlich gibt es eine hollywoodreife Entstehungsgeschichte dazu. Diaz habe immer schon gern Wein getrunken, sich aber nie wirklich Gedanken darüber gemacht, was da eigentlich so alles drin ist. Cliffhanger, Schockmoment: nicht nur Weintrauben! Ihre Weiß- und Roséweine sind deshalb total »clean«, ohne Zusatzstoffe und natürlich bio. Wer jetzt grübelt, was wohl »Avaline« zu bedeuten hat, ob das eine Verniedlichung von »avalanche« sein soll, also Lawine, Rausch, mitreißende Noten – nichts dergleichen. Den Namen fand Diaz auf einer Seite mit Babynamen und für Wein war er noch nicht vergeben. Etymologisch irgendwie: ernüchternd.

Korn von Sophia Thomalla

Kommen wir nun zum wirklich harten Fusel. Sophia Thomalla ist ein interessanter Fall in der deutschen Promilandschaft. Bildhübsch und tätowiert wie ein Fußballer oder Rockstar, die sie in der Vergangenheit gern gedated hat. Aufgewachsen ist die 32-Jährige in Berlin, Köln und Gelsenkirchen, beruflich tritt sie häufig in TV-Shows auf, investierte aber auch beim Bauschutt-Start-up Schüttflix, für das sie Kalender in krachender Bagger-Erotik produziert – mit sich selbst in der Hauptrolle, versteht sich. Der Gesamtauftritt liegt also irgendwo zwischen Kardashians und Manta Manta. Welches Getränk passt am besten in diese Mischung? Kein Prosecco, Whiskey aber irgendwie auch nicht, sondern: Korn natürlich! Der heißt bei Thomalla entsprechend »Hardkorn«, ein feuchter Traum für Marketing-Strategen. Erstaunlich nur, dass die Bild-Zeitung ihr noch nicht den Spitznamen »Schnapsdrossel« verpasst hat.

Wodka von Kate Hudson

Wer sagt, dass Promizeugs immer total überteuert sein muss? Kylie Minogues Weine stehen im Supermarkt – und der »King St. Vodka« von Schauspielerin Kate Hudson kostet 29,95 Dollar, was deutlich günstiger ist als der 50-Dollar-Sprit von Dan Akroyd. Außerdem ist er mit seinem Blümchenetikett ein Mitbringsel, das optisch wie klatschtechnisch etwas hermacht. Aber, Gewissensfrage, kann man in diesen Zeiten überhaupt noch Wodka trinken? Nur zu. Hudsons Marke wird im sonnigen Santa Barbara gebrannt, wenn auch nicht auf der King Street. Der Markename ist stattdessen eine Hommage an Hudsons früheres Zuhause auf jener Straße in New York, wo sie regelmäßig Freunde empfang (und wahrscheinlich mit Wodka abfüllte).